{"id":618,"date":"2016-04-20T19:23:27","date_gmt":"2016-04-20T17:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/joachim-borner.de\/?page_id=618"},"modified":"2017-04-26T20:05:31","modified_gmt":"2017-04-26T18:05:31","slug":"karnitzer-rundbrief-0216%e2%80%8f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/joachim-borner.de\/?p=618","title":{"rendered":"Fr\u00fchling ist, wenn die Hoffnungen des Jahres zu sprie\u00dfen beginnen"},"content":{"rendered":"<p>Ich fand in China eine frohe Beschreibung: \u201eFr\u00fchling ist, wenn die Hoffnungen des Jahres zu sprie\u00dfen beginnen.\u201c Nat\u00fcrlich hat man gleich das Politische im Kopf. Aber es meint wohl mehr &#8211; und mir fiel \u201eEderlezi\u201c ein. Dies ist das wundervolle Fr\u00fchlingslied der Roma des Balkans zum Hidirellez-Fest zu Ehren des Heiligen Georg. H\u00f6rt einmal:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GG2jench7Kg\" target=\"_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GG2jench7Kg<\/a>\u00a0\u2013<!--more--><\/p>\n<p>(Im Film: \u201eDas Zigeunerlager zieht in den Himmel\/Time oft he Gipsy\u201c tr\u00e4gt dieses Lied eine ganze Geschichte \u2013 fast wie Wedekinds Theaterst\u00fcck \u201eFr\u00fchlingserwachen\u201c. Dieses St\u00fcck erz\u00e4hlt die Geschichte mehrerer Jugendlicher, die im Zuge ihrer\u00a0<a title=\"Pubert\u00e4t\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pubert%C3%A4t\" target=\"_blank\">Pubert\u00e4t<\/a>\u00a0und der damit verbundenen sexuellen Neugier mit den Problemen psychischer Instabilit\u00e4t und gesellschaftlicher Intoleranz konfrontiert sind. Ich mag es nicht glauben, dass es 1891 erschienen ist und heute in jeder Schulklasse Begeisterung ausl\u00f6st \u2013 wenn es vorgelesen wird. Und im \u201eZigeuner\u201c-Film entsteht diese Begeisterung auch \u2013 hinzu kommt das Besondere: Das Spirituelle der Roma und deren furiose F\u00e4higkeit zur Zelebration)<\/p>\n<p>Nun, in den vorletzten 3 Tagen waren wir in Karnitz zum interkulturellen Holzhacken: teilnehmende Kulturen waren Bayern, Mecklenburger, Kameruner, Inder, Berliner, Brandenburger, Pomeraner, Wurzellose und Landstreicher\u00a0\u00a0\u2013 dazu kamen Stare und Milane, die aus nordafrikanischen Staaten ausgewiesen worden waren, St\u00f6rche wie auch die ersten Schwalben, die sich aufgrund der politischen Konstellationen nicht sicher sind, hier tempor\u00e4r zu siedeln. Hummeln waren frech, wenn man ihnen den R\u00fccken zukehrte.<\/p>\n<p>Aber wir haben XXX Festmeter \u2013 wohl f\u00fcr zwei Winter \u2013 in heizf\u00e4hige Formen geschlagen. Christof hatte die St\u00e4mme aus dem Wald geholt und wir s\u00e4gten und hackten sie zu recht und machten aus allem eine gro\u00dfe Miete, die nun 2 Jahre austrocknen muss. Einige der geraden St\u00e4mme legten wir zur Seite \u2013 Bodo Kriszun \u2013 der Mann mit dem mobilen S\u00e4gewerk &#8211; wird aus ihnen Bretter schneiden, f\u00fcr Tische und B\u00e4nke unter den Apfelb\u00e4umen \u2013 so \u00e4hnlich, wie es Franz Josef Degenhardt mit dem Lied zu den Pflaumenb\u00e4umen beschreibt.<\/p>\n<p>Und wir sind in den Boden gegangen; die Beete f\u00fcr das junge Gem\u00fcse mussten vorbereitet werden.<\/p>\n<p><b>Denn am 23. und 24. April (die Anreise und Anwanderung ist f\u00fcr die meisten der 22. April<\/b>) ist das S\u00e4en und Pflanzen dran. Wir haben das Feld \u2013 unten im Moor &#8211; begradigt und werden ein geradestehendes Gew\u00e4chshaus errichten k\u00f6nnen \u2013 in dem endlich die Tomaten wachsen, die wir Jahr f\u00fcr Jahr z\u00fcchten. Hinter diesem entstehen die Kartoffelreihen und Baumschulenspaliere. Wir haben G\u00e4ste: jugendliche Freunde, die f\u00fcr den Oktober einen Jugendkongress zur Bildung in der Region \u2013 quasi einen Bildungsgipfel \u2013 vorbereiten. Wir m\u00f6chten zudem \u2013 f\u00fcr den Nachmittag des 23. Aprils die neu Zugezogenen von Neukalen und Malchin zu einem Kaffee-Kuchen-Nachmittag einladen. Und Viban mit seinen Freunden aus Kamerun ist da, um B\u00e4ume zu versetzen. Ach ja \u2013 das Fremde! Viban, in Kamerun geboren und jetzt Kollege und Freund! Und \u2013 Fremder! So jedenfalls schauen ihn viele an und reden \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>Was mich dabei \u00fcberrascht ist, dass das Fremde nahezu dem\u00a0<b>Eigenen<\/b>\u00a0gegen\u00fcbergestellt wird. Was meine ich? Nun, man k\u00f6nnte ja auch sagen: das ist mir\u00a0<b>vertraut<\/b>\u00a0(das kenn ich, das esse ich usw.) und daran messe ich das Andere. Aber mit dem\u00a0<b>Eigenen wird eine Hierarchie<\/b>\u00a0eingezogen, die das Fremde als\u00a0<b>Bewertungs- und Differenzbegriff<\/b>\u00a0(gut-schlecht) anstatt als Distanzbegriff (anders) benutzt. Man macht damit das Fremde fremder, als es zu sein pflegt. Denn einer der Effekte in solcher Art Umgang mit dem Fremden ist ja, das Eigene durch das Fremde, befremdlicher werden und so wahrnehmen zu lassen, dass es bedroht wird.<\/p>\n<p>Oder, ganz anders, mit den Worten eines modernen \u00d6kologen (Fred Pearce) ausgedr\u00fcckt: \u201eDer gegenw\u00e4rtige Kreuzzug gegen die fremden Arten richtet sich jedoch nicht gegen die Ursachen ihrer Erfolgs, sondern in geradezu bizarrer Weise gegen die Symptome: Weshalb k\u00f6nnen sich denn Riesenb\u00e4renklau, Riesenkn\u00f6terich und Springkr\u00e4uter so sehr , \u201eso invasiv\u201c ausbreiten? In ihrem Wuchern dr\u00fcckt sich aus, dass ihnen der N\u00e4hrboden bereitet worden ist, durch massive \u00dcberd\u00fcngung. Die so auff\u00e4llig invasiven Pflanzen sind in besonderem Ma\u00dfe n\u00e4hrstoffbed\u00fcrftig. Die entsprechende Eind\u00e4mmung der \u00dcberd\u00fcngung steht aus und Natursch\u00fctzer lassen sich in den Kampf gegen die invasiven Arten einspannen, anstatt die Verursacher des invasiven Wucherns zur Rechenschaft zu ziehen. &#8230;.<\/p>\n<p>W\u00fcrde Mitteleuropa wieder ganz von der \u201epotentiell nat\u00fcrlichen Vegetation\u201c bedeckt, h\u00e4tten wir recht artenarme, einf\u00f6rmige Buchenw\u00e4lder.. aber keine L\u00fcneburger Heide, keine Streuobstwiesen, &#8230;und vor allem keine offenen, sonnig-mageren Flecken voller Lerchen, Hasen Schmetterlinge, bunter Blumen und wilder Bienen.<\/p>\n<p>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oekom.de\/nc\/buecher\/gesamtprogramm\/buch\/die-neuen-wilden.html\" target=\"_blank\">\u201eDie neuen Wilden\u201c<\/a><\/p>\n<p>Joachim und Martina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich fand in China eine frohe Beschreibung: \u201eFr\u00fchling ist, wenn die Hoffnungen des Jahres zu sprie\u00dfen beginnen.\u201c Nat\u00fcrlich hat man gleich das Politische im Kopf. 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