{"id":606,"date":"2015-06-09T19:31:53","date_gmt":"2015-06-09T17:31:53","guid":{"rendered":"http:\/\/joachim-borner.de\/?page_id=606"},"modified":"2017-04-27T11:33:31","modified_gmt":"2017-04-27T09:33:31","slug":"karnitzer-rundbrief-0715-ganz-am-anfang-war-das-wort%e2%80%8f","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/joachim-borner.de\/?p=606","title":{"rendered":"Ganz am Anfang war das Wort\u200f"},"content":{"rendered":"<p>Will sagen: Die Botschaft! Und die ist \u2013 am 29. August feiersts in Karnitz. \u00ccst ein arbeitsfreier Tag \u2013 auch ein Tag mit vielen Sternschnuppen \u2013 und gilt Martina und ihrem 50. Jahr.<\/p>\n<p>Ich lade Euch einfach ein \u2013 einfach so.<!--more--><\/p>\n<p>Ich wurde vor ein paar Wochen f\u00fcnfzig. Da mir das aber ein bisschen zu schnell ging und ich nichts vorbereitet hatte, lade ich euch \u2013 zusammen mit meinem Joachim &#8211; einige Zeit sp\u00e4ter und nochmal zum Vormerken &#8211; am 29. August zur gro\u00dfen Geburtstagsparty nach Karnitz ein. Ich bitte ausdr\u00fccklich um kulturelle Beitr\u00e4ge und um Euch mit eurer Lust am Feiern und Tanzen und beim Sternschnuppen z\u00e4hlen W\u00fcnsche loswerden.\u00a0\u00a0Freue mich sehr auf euch und gebt mir bitte per E-Mail Bescheid, ob, und wann und zu wie vielen ihr kommt &#8230;\u00a0\u00a0Martina<\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck zum geschriebenen Wort.<\/p>\n<p>Vor etwas mehr als 100 Jahren schrieb ein Graf Schriften, die bald verboten, dennoch aber rei\u00dfenden Absatz fanden, abgeschrieben und raubkopiert wurden. Dieser Graf brachte die Bauern gegen seinesgleichen auf. Eindringlich beschwor er seine Leser, das Land, die H\u00f6fe und \u00c4cker nicht zu verlassen, die b\u00e4uerliche Realwirtschaft nicht aufzugeben und keine Scheinarbeit in der Stadt anzunehmen um Dinge herzustellen, die niemand wirklich braucht. Scheinbarer und wirklicher Reichtum \u2013 dieses unaufl\u00f6sbare Paradox unserer verschuldeten Wohlstandsstaaten und ihrer ewig unzufriedenen reichen Untertanen \u2013 thematisierte er.<\/p>\n<p>Dass wir nicht auf ihn geh\u00f6rt und uns statt den B\u00e4umen, dem Boden, dem Wasser \u2013 nur den Logiken von Ressourcen\u00f6konomie und Wachstum anvertraut haben, nimmt er uns vermutlich sehr \u00fcbel \u2013 der Graf Leo Tolstoi.\u00a0\u00a0In MV jedenfalls haben wir eine Brachlegung, eine \u201edritte Landschaft\u201c geschaffenen \u2013 anfangs waren es die Stilllegungen, jetzt sind es die \u00f6den Wechsel von Raps \u00fcberall dann Mais \u00fcberall dann Weizen \u00fcberall. Scheinarbeiter der Stadt sind im Land zu Gange \u2013 oder?<\/p>\n<p>Schlimm ist dabei das Verlustgehen von Diversit\u00e4t in Kultur und Natur und die parallel damit einhergehende Suche nach Identit\u00e4tsrudimenten die wild und konzeptlos ausgegraben werden \u2013 ihr kennt das. Folkloristische Zipfel umgedeuteter Legenden und fr\u00fcherer\u00a0\u00a0regionaler Identit\u00e4t sind das und haben nichts mit der Gegenwart und noch weniger mit zuk\u00fcnftigen M\u00f6glichkeiten zu tun. \u2013 Zu diesen beiden Zeiten, also dem Heute und dem Morgen ist br\u00fcllendes Schweigen. Es scheint, als h\u00e4tte sich der Mensch, den Kant einst als kulturschaffendes Wesen benannte, aus dieser Wesentlichkeit verabschiedet. Die Gestaltung von Visionen ist kein Thema mehr.<\/p>\n<p>Habermaas, der Selbstdenker beschreibt das so:\u201eEs regiert eine normativ abger\u00fcstete Generation, die sich von einer immer komplexer werdenden Gesellschaft einen kurzatmigen Umgang mit den von Tag zu Tag auftauchenden Problemen aufdr\u00e4ngen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich verk\u00fcmmert in diesem normativ ausgen\u00fcchterten Milieu \u2013 und den gestrickten Altm\u00e4rchen &#8211; alles Vision\u00e4re und mit ihm alles Politische. Dabei gibt uns erst der Referenzrahmen der Zukunft: \u00dcberleben in Freiheit 2050 z.B. die Orientierung was heute zu denken, zu entscheiden und zu tun ist. Dabei ist die Frage nicht so zu stellen und die Vision nicht so zu formen, dass alles Nachdenken innerhalb unserer heutigen gesellschaftlichen Systeme bleibt. Die System selbst sind einer Pr\u00fcfung zu unterziehen \u2013 hinsichtlich unserer eigenen Anspr\u00fcche.<\/p>\n<p>In individualisierten Gesellschaften, wo jeder seines Gl\u00fcckes Schmied ist \u2013 wie es die Legenden erz\u00e4hlen, wird chronisch untersch\u00e4tzt, in welch hohem Ma\u00dfe \u201eIch-Identit\u00e4t\u201c zugleich \u201eWir-Identit\u00e4t\u201c ist. Es ist ein Selbstmi\u00dfverst\u00e4ndnis zu glauben, man sei individuell.\u00a0\u00a0Dabei h\u00e4ngen wir von \u201eWIR\u201c ab, finden darin Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Stolz, Scham, Handeln, Solidarit\u00e4t. Wir-Gruppen f\u00fcllen Handlungen mit Sinn aus! Ohne einen Fluchtpunkt der \u201eWIR-Identit\u00e4t\u201c, der in der Zukunft, in 2050 z.B. liegt, wird sich kein neues kulturelles \u00dcberlebensprojekt entwickeln lassen.<\/p>\n<p>Wir sitzen gerade mit mexikanischen Kollegen \u2013 Wissenschaftlerinnen, P\u00e4dagogen, Philosophen im Garten und er\u00f6rtern diese Dinge \u2013 und dabei f\u00e4llt mir ein Zitat von Johann Heinrich von Th\u00fcnen ein (auch einem Grafen), welches Thorsten Permien bei einer der Sommeruniversit\u00e4ten vorgetragen hatte: Wer gezwungen ist, immer fremden Gedanken zu folgen und sich diese zu eigen zu machen, wer nicht die Freiheit hat, mit seinen Gedanken spazieren zu gehen, wie kann in diesem Menschen die Produktivit\u00e4t des Geistes, der schaffende Gedanke, die Kraft neue Wege zu gehen entwickelt, erhalten und ausgebildet werden?<\/p>\n<p>Wir sind vom 12. bis 30. Juni in Karnitz, mit dem Gem\u00fcse, der terra preta und der Halle zugange, wer dazu sto\u00dfen m\u00f6chte, gibt uns einfach ein Zeichen.<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>Joachim und Martina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will sagen: Die Botschaft! Und die ist \u2013 am 29. August feiersts in Karnitz. \u00ccst ein arbeitsfreier Tag \u2013 auch ein Tag mit vielen Sternschnuppen \u2013 und gilt Martina und ihrem 50. Jahr. 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