{"id":602,"date":"2016-01-29T19:21:20","date_gmt":"2016-01-29T17:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/joachim-borner.de\/?page_id=602"},"modified":"2017-04-26T20:07:32","modified_gmt":"2017-04-26T18:07:32","slug":"karnitzer-rundbrief-0116%e2%80%8f","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/joachim-borner.de\/?p=602","title":{"rendered":"Jetzt regt sich auch anderes."},"content":{"rendered":"<div>\n<div id=\"c_base\">\n<div id=\"c_content\">\n<div id=\"pageContent\">\n<div id=\"pageInbox\">\n<div id=\"inboxControl0f\">\n<div data-link=\"class{:~tag.contentRightClass(Layout.IsFullView, Layout.ReadingPaneMode)}\">\n<div>\n<div id=\"inboxControl0fv-ReadMessageContainer\" tabindex=\"-1\">\n<div data-link=\"class{readMessageClass: ~tag.Show}\">\n<div id=\"ReadMessageScrollableSection\" tabindex=\"-1\">\n<div id=\"readMessagePartControl639f\" data-link=\"class{:~tag.getHeaderCssClass(IsConversationPart, IsRead, IsDraft, IsTrustedSender, Items.length)}\">\n<div data-link=\"class{getClass:IsBodyExpanded}\">\n<div>\n<div id=\"bodyreadMessagePartBodyControl644f\" data-link=\"class{:~tag.cssClasses(PlainText, IsContentFiltered)}\">\n<div>\n<div>\n<p>Hier die Termine vorneweg, da sie wohl am Ende\u00a0 eher untergehen<br \/>\n+++\u00a0Holz hacken I Halle ausbauen I Kochen-Essen-Trinken unterm Apfelbaum I Karnitz vom 1. April \u2013 3. April\u00a0\u00a0und\u00a0\u00a0vom 5. Mai \u2013 8.Mai +++<\/p>\n<p>Kurz bevor wir im Dezember nach Chile fuhren, waren wir im Garten \u2013 da im Norden, also in Karnitz. Das war so der 17. oder 18. Dezember und vom Gef\u00fchl her wollte es nicht hell werden. Man glaubte, alles im Garten schliefe. <!--more-->Der stattliche Walnussbaum lie\u00df seine Zweige wie traurige Arme h\u00e4ngen, die jungen Birnenb\u00e4ume, die im Herbst noch ordin\u00e4r Blindtriebe in den Himmel streckten, versteckten sich wie erwischte Exhibitionisten. In einer gro\u00dfen \u00dcbereinkunft hatten alle Gartenwesen \u201eas slow as possible\u201c vereinbart: das Gras matschte und tat dem Augenschein nach gr\u00fcn, die Herbstkatzen wuchsen nicht weiter, die Hagebutten hingen am Strauch wie k\u00fcnstlich angebundene Bommeln, selbst der Maulwurf schob seinen H\u00fcgel nur in Zeitlupe in die Wiese, die Spatzen im Dornbusch waren verfangene Bl\u00e4tter\u2026 Aber alle taten nur so. Sie hatten die Augen geschlossen und lie\u00dfen die Ohren h\u00e4ngen, um die Geister der Depression zu narren. Denn nichts f\u00fcrchtete die Kirsche z.B. mehr als vom Novemberteufel offenen Auges erwischt zu werden: er packt sie dann n\u00e4mlich leicht, k\u00fcsst sie und sie fragt sich, was das Leben \u00fcberhaupt noch soll. Das knappe Licht tut ihr \u00fcbriges.\u00a0\u00a0Aber wenn der 21.12 vorbei ist und die l\u00e4ngste Nacht mit dem kleinsten Tag nicht mehr wachsen kann, dann platzt die Hoffnung heraus, auf die\u00a0\u00a0die Gartengemeinschaft regungslos gewartet hatte &#8212; mit ein paar Yoga\u00fcbungen wird Seele und Lebensverst\u00e4ndnis gestrafft. Als wir Ende Januar zur\u00fcck kamen, war schon die H\u00f6lle los. Was sich da so alles regte.<br \/>\nJetzt regt sich auch anderes. In Neukalen hat sich ein Helferkreis\u00a0\u00a0f\u00fcr die Neub\u00fcrger im Ort gebildet. Es gibt Patenschaften und gro\u00dfe Anstrengungen f\u00fcr dauerhafte Integration. (Nun es sind nat\u00fcrlich nicht alle davon begeistert \u2026aber die, die dabei sind, sind begeistert!) Wir auch: wir sind dabei und freuen uns. Bisher sind es etwa 15 Menschen &#8211; Familien \u00fcber drei Generationen. Wenn man sie zum Deutschlernen abholt, muss man nur darauf achten, dass das Auto nicht schr\u00e4g geparkt wird \u2013 mit 2 R\u00e4dern auf dem B\u00fcrgersteig. Dann kommt die Angst hoch, dass das Boot kentern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Sie sind jetzt als Fl\u00fcchtende anerkannt und suchen Wohnungen. (Bisher wohnten sie im Plattenbau am Rande der Stadt). Ich gebe mal weiter, was wir suchen: Fahrr\u00e4der (um in die Stadt zu kommen); Autokindersitze (f\u00fcr die Transporte durch den Helferkreis), Fernseher als Fenster.<\/p>\n<p>Wenn es Fr\u00fchling wird, machen wir einen interkulturellen Garten mit angeschlossener K\u00fcche in Karnitz auf. Vielleicht l\u00e4sst sich dadurch die Entfremdung etwas verringern, die der Wurf in eine andere Kultur immer bedeutet.<\/p>\n<p>Das ist so \u00e4hnlich, wie die existentielle Art der Entfremdung, die &#8211; aus meiner Erfahrung \u2013 die Jungen unter uns erleben. Sie sind in eine Gesellschaft eingebettet, die so tut, als w\u00e4ren l\u00e4ngst angeschaffte Spielregeln noch g\u00fcltig. Vorsorge lohnt sich, Leistung sowieso, Kreativit\u00e4t und Ehrlichkeit \u2026 es sind sprachliche Rudimente in einem ausgeh\u00f6lten Spielregelwerk. Und diese sind gepaart mit Lebensumst\u00e4nden, die uns was weg nehmen, was wir gerade gewonnen hatten: Zeit. \u00dcber Facebook z.B. konsumieren wir und produzieren das System Facebook zugleich. Kapitalakkumulation ist das durch Enteignung. Uns wird Zeit geklaut und wir werden permanent besch\u00e4ftigt \u2013 denn Menschen, die Zeit zum Nachdenken haben, ist das Letzte, was das System unserer\u00a0\u00a0Gesellschaft gebrauchen kann; erst recht in einer heiklen Phase wie dieser.<\/p>\n<p>Das waren Themen, die wir fr\u00fcher in Santiago mit Pedro Holz besprochen haben. Dieser Nachdenker und Poet starb im Januar. Im vergangenen Jahr hat er uns einige seiner Gedichte in die Kamera gesprochen. Wir stellen das in unseren YouTube-Kanal.<\/p>\n<p>Herzliche Abendgr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>Martina und Joachim<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"m_whm\"><\/div>\n<div id=\"m_mm\"><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier die Termine vorneweg, da sie wohl am Ende\u00a0 eher untergehen +++\u00a0Holz hacken I Halle ausbauen I Kochen-Essen-Trinken unterm Apfelbaum I Karnitz vom 1. April \u2013 3. April\u00a0\u00a0und\u00a0\u00a0vom 5. 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